Sich fortbewegen – für die meisten von uns gibt es wohl nichts Alltäglicheres. Doch für einzelne ist bereits einfaches Gehen eine Quelle grosser Schwierigkeiten: ein Unfall, ein Schlaganfall oder eine Krankheit des Nervensystems hat ihnen diese Fähigkeit genommen. Gehen neu erlernen ist eine grosse Herausforderung – und mit den bisherigen Therapien sehr mühsam und anstrengend.
Der Lokomat ist ein Laufroboter, den Zürcher Forscher konzipiert und in enger Zusammenarbeit mit der Universitätsklinik Balgrist entwickelt haben. Er ermöglicht Patienten ein natürliches und «Schritt für Schritt»-Bewegungstraining. Ein Computer speichert die individuellen Parameter und verfolgt fortlaufend deren Entwicklung. Die regelmässig wiederholten Bewegungen wecken die Mobilitätsreflexe im Nervensystem, besonders diejenigen im lokomotorischen Zentrum des Rückenmarks. Patienten erleben wieder das Gefühl des Gehens und die Möglichkeit, sich im täglichen Leben fortzubewegen.
Der Lokomat ist eine orthopädische Prothese, kurz als Orthese bezeichnet; ihr Spannsystem hält den Patienten in senkrechter Position; er wird – an der Hüfte angegurtet und die Beine auf Orthesen befestigt – automatisch in Bewegung gesetzt. Das computergesteuerte System sorgt für einen optimalen Widerstand und ermöglicht ein intensives Gehtraining. Und die elektronische Bewegungskoordination gewährleistet eine möglichst natürliche Gangart. Dank der individuellen Einstellung lassen sich die Bewegungen optimieren: der Patient wird weniger müde und gewinnt an Ausdauer. Die grafische Darstellung von Leistungsfortschritten wirkt sich sehr positiv auf die Motivation des Patienten aus: Das Gehen wieder zu erleben steigert sein Vertrauen und ist entscheidend für seinen persönlichen Fortschritt.
Ursprünglich für Paraplegiker konzipiert, wird der Lokomat heute vor allem bei gehbehinderten oder partiell gelähmten Patienten nach Schlaganfall, Rückenmarkverletzungen, Schädel-Hirn-Trauma, bei Multipler Sklerose und Parkinson sowie anderen neurologisch bedingten Beeinträchtigungen eingesetzt.
Der Lokomat wurde im Herbst 2005 in der Berner Klinik Montana getestet: Patienten sowie Therapeuten waren begeistert und auf Anhieb überzeugt! Die Clara-Millenet-Stiftung, die Forschung im Bereich Multiple Sklerose fördert, unterstützte die Finanzierung des Geräts.
Hocoma Medical Engineering
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